Unser Gottesacker

Zur Geschichte

Die erste Beerdigung auf dem Herrnhuter Hutberg fand am 24. November 1730 statt, als das halbjährige Kind Hans Beyer begraben wurde. Vorher hatten die Einwohner Herrnhuts ihre Toten in Berthelsdorf begraben. Heute kann man den Herrnhuter Gottesacker zu den wichtigsten Kulturdenkmälern der Region zählen, der umso bedeutsamer ist, da er kein historisches Relikt darstellt, sondern heute noch – wie vor 270 Jahren – von der Gemeinde genutzt wird. Wenn an einer Stelle die Konti-nuität der Geschichte unserer Kirche deutlich wird, dann vor allem auf unserem Gottesacker.
Nachdem das erste Grab nur vorläufig eingezäunt war, legte man 1731 einen Erdwall mit Rasenbänken um den noch sehr kleinen Begräbnisplatz an. Die ersten Erweiterungen wurden schon 1738 und 1741 nötig. Die Lindenallee, die vom Ort auf den Gottesacker führt, legte man 1742 an. In den Jahren 1754 und 1755 pflanzte man um das Gelände eine Hecke. In den ersten Jahren lagen nicht auf allen Gräbern Steine, und es brauchte mehrere Anläufe, um für jedes Grab einen Stein zu besorgen. Schon 1740 beschloss die Synode: »Auf unsere Gräber sollen Steine geleget werden mit dem Namen, dem Tag des Heim-gangs und einem Versel, da die Hauptidee von dem Bruder [und Schwester!] drinnen stehet.« Die Buchstaben der Steine waren in der ersten Zeit mit roter Farbe ausgefüllt; auf einigen Steinen sind die Reste dieser Farbe (mit Mühe) noch zu erkennen. Ursprünglich hatten die einzelnen Chöre eigene Reihen. Erst seit 1797 unterscheidet man innerhalb der Brüder- oder Schwesternseite nicht mehr nach der Chorzugehörigkeit.
So entwickelte sich der Gottesacker mit seinen typischen Merkmalen: die einförmigen, flachen Steine mit den schlichten Aufschriften, die Geschlechtertrennung, das Fehlen von Ehe- und Familiengräbern, die Bepflanzung mit Hecken und Linden und das Eingangstor mit zwei Sprüchen. Der Gottesacker wurde überall ein unverzichtbarer Teil einer Brüdergemeine.
Schon 1740 beschloss man, dass jede Ortsgemeine einen eigenen Gottesacker haben und dieser bei späteren Neugründungen sogar Bedingung sein sollte. So wie der Mensch sich bei all seinem Handeln an Jesus zu orientieren habe, so sei auch sein Liegen im Grabe eine liturgische Handlung, lehrte Zinzendorf. Auch Jesus habe schließlich im Grabe gelegen. Der Gottesacker zählte damit zu den liturgischen Räumen der Gemeinde. Er wurde zum Versammlungsort einer jeden traditionell angelegten Ortsgemeine genauso wie auch der Saal und der Platz.
Als 1936 eine Umgehungsstraße zwischen dem Ort und dem Hutberg angelegt werden sollte, wehrte sich die Einwohnerschaft dagegen mit Erfolg, da der Gottesacker in diesem Falle von der Gemeinde abgeschnitten worden wäre.

Der Gottesacker in Herrnhut ist für viele brüderische Gottesäcker in der ganzen Welt das Vorbild gewesen. Dieses Vorbild gilt es zu erhalten. Auch über die Brüdergemeine hinaus haben sich einige Orte vom Herrnhuter Gottesacker inspirieren lassen, so z. B. das norddeutsche Hanerau.

Auf dem Gottesacker sind die Gräber aller derer – insgesamt über 6.200 - zu finden, die in unserer Kirche bzw. Gemeinde gelebt und ihr gedient haben. Als die historischen Gebäude Herrnhuts nach 1945 in Trümmern lagen, war man froh, dass wenigstens der Gottesacker das Kriegsende unversehrt überstanden hatte.

Um unsere Gemeinde bei der Pflege dieses bedeutenden Kulturdenkmals zu unterstützen, ist am 7. Oktober 2003 ein Gottesackerverein gegründet worden.

Paul Peucker 2003

 




Blick auf den Hutberg mit Gottesacker


Blick vom Altan auf den Gottesacker


Eingangsportal





Zinzendorfgräber

Der Altan

Der Aussichtsturm (»Altan«) ist das Wahrzeichen unserer Stadt. Seit 1790 hat der Altan seine heutige Form.
Matthijs Beuning (1739-1800) liess den Altan 1790 »zu seiner und seiner Geschwister Vergnügen« an der Stelle errichten, wo schon früher ein Häuschen gestanden hatte. Dieses alte Häuschen hatte Zinzendorf 1725 oder 1726 bauen lassen, zur Erinnerung an einen Spaziergang, den er mit seiner Frau an ihrem ersten Hochzeitstag am 7. September 1723 gemacht hatten. Von dem höchsten Punkt des Hutbergs, so erzählte der Graf später, hatten sie einen Regenbogen gesehen, der sich zwischen Zinzendorfs Schloss in Berthelsdorf und dem erstgebauten Haus in Herrnhut ausstreckte. Deswegen nannten die Herrnhuter das Häuschen auf dem Hutberg auch Gnadenbogen.
Auf einem Ortsplan von 1765 kommt dieses Häuschen schon nicht mehr vor. So entschied sich Beuning 1790 einen neuen Aussichtsturm zu errichten. Ein Altan ist eigentlich eine Aussichtsterrasse oben auf einem Haus. In diesem Fall hat sich die Bezeichnung auf das ganze übertragen.
Es gibt Leute, die im Altan einen Gebetsturm meinen zu erkennen. Wir glauben aber nicht, dass der Altan jemals als besonderer Gebetsort gemeint war. Ganz im Gegenteil, wir glauben, dass Gott überall zu finden ist, und dass es keine Orte gibt, wo man besser beten kann als an anderen.

(Quelle: Th. Bechler, Ortsgeschichte von Herrnhut, Herrnhut 1922, 46).




Blick auf den Hutberg mit Gottesacker

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Der Altan, Wahrzeichen unserer Stadt
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