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24-Stunden-Gebet,
an 365 Tagen im Jahr
Jedes Jahr im März reihen sich die Gemeinden der Brüder-Unität
in die weltweite Kette der Unität-Gebetswacht ein. In der
Zeit vom 23. bis 31. März beten die Gemeinden in Deutschland
und in den Niederlanden, in Schweden und in Dänemark, in Estland
und der Schweiz für die Arbeit des Reiches Gottes und der
weltweiten Brüder-Unität.
Sie stehen damit in einem Kreislauf
des Gebetes, der am 1. Januar in der nordamerikanischen Südprovinz
beginnt und über
Costa Rica, Guyana, die Tschechische Republik, Surinam, Tansania,
den Kongo, Alaska, einige Inselstaaten in der östlichen Karibik,
Labrador, Jamaika, Kuba, Honduras, Südafrika, Großbritannien,
Indien, Malawi, Nikaragua und Sambia geht, bis er am 31. Dezember
in der nord-amerikanische Nordprovinz endet.
In all diesen unterschiedlichen
Ländern und Kulturen ist
die Gebetswacht ein wichtiger Tag, für die sich Einzelne und
Gemeindegruppen eintragen, um jeweils zu einer bestimmten Tages-
oder Nachtzeit im Gebet vor Gott für die Kirche Jesu Christi
und die Brüder-Unität einzutreten.
24 Stunden Gebet am
Tag, an 365 Tagen im Jahr: Woher kommt diese „Unitäts-Gebetswacht“ und
was will sie?
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Eine
Mauer des Gebets
Die Anfänge der Gebetswacht reichen ins Jahr 1727, nur wenige
Tage nach der geistlichen Einigung der zuvor zerstrittenen Gemeinde
am 13. August im noch kleinen Herrnhut. Nach dem Gemein-Tagebuch
entstand die Idee am 22. August: „Wir beschlossen, ein freiwilliges
Opfer der Fürbitte anzuzünden in unserem Orte, welches
Tag und Nacht brennen könnte, ließen aber der Wirkung
des Herrn in den Herzen der Brüder den völligen Lauf
und begnügten uns, diese Sache zu vorzuschlagen.“
Nach den damaligen Zeugnissen waren äußere Anfeindungen
der Anlass, Gott um seinen Schutz anzuflehen und dafür das
Stundengebet einzurichten. Deswegen wurde auch die Bibelstelle
Jesaja 62,6-7 zur Begründung herangezogen: „O Jerusalem,
ich habe Wächter über deine Mauern bestellt, die den
ganzen Tag und die ganze Nacht nicht mehr schweigen sollen ...“
Innerhalb weniger Tage meldeten sich viele Freiwillige – bis zum
27. August waren es 42 Brüder und 28 Schwestern. Der Gebetsdienst
wurde auf je 24 Schwestern und Brüder aufgeteilt, die ihn
zu Hause in ihrer Wohnung je eine Stunde lang durchführen
sollten.
Betet
ohne Unterlass
Im 20. Jahrhundert wurde das Stundengebet an mehreren Orten wieder¬entdeckt.
Zunächst waren es 1950 die Gemeinden Herrnhut und Königsfeld,
die, angeregt vom früheren Stundengebet, Gebetsgruppen einrichteten.
Dahinter stand das Anliegen einer geistlichen Konzentration und
Besinnung auf Gott nach den Schrecken des Krieges und der Nachkriegszeit.
Die
Schwestern des Herrnhuter Missions-Gebetskreises schlugen vor,
das Jubiläumsjahr 1957 (500 Jahre Brüder-Unität)
in einer weltweiten Gebetskette zu verbringen. Angeregt wurden
sie dabei durch das 1956 in indischen Kirchen durchgeführte
ununterbrochene Gebet. Der Missionskreis schlug auch einen konkreten
Ablauf des Stundengebets vor mit den Elementen Lobpreis und Dank,
Buße und Fürbitte.
Dieser Vorschlag wurde von der weltweiten
Brüder-Unität
aufgenommen. Der Aufruf wurde von 26 Bischöfen aus acht Provinzen
(selbständigen Kirchen der Brüder-Unität) unterzeichnet.
Neben der geographischen Verteilung der 365 Tage des Jahres auf
die einzelnen Provinzen der Brüder-Unität gab es auch
eine inhaltliche Aufteilung. Jeweils eine Stunde pro Tag sollte
für eine von 24 Regionen in der Welt gebetet werden.
Seit über
45 Jahren
Aufgrund der dabei gemachten guten Erfahrungen führte die
Unitäts-Synode 1957 in Bethlehem/Pa. (USA) die Unitäts-Gebetswacht
als ständige Einrichtung ein. Nach einigen vorbereitenden
Tagungen waren auf dieser Synode erstmals wieder Vertreter der
Brüder-Unität aus allen Regionen der Erde zusammengekommen.
Man spürte: Die kriegsbedingte Spaltung und Feindschaft zwischen
Amerikanern, Tschechen, Niederländern, Dänen einerseits
und Deutschen andererseits konnte überwunden werden. Wo vorher
Trennung herrschte, wurde nun Verbindendes gesucht. Eine solche
innere Verbindung wurde in der fortlaufenden Gebetskette gesehen.
Und auch in den nachfolgenden Jahren wurde diese Gebetswacht fortgeführt,
inzwischen wieder seit über 45 Jahren.
Allgemein
und konkret beten
Was ist nun der Inhalt des Gebets? Zinzendorfs Mitarbeiter Spangenberg
nannte die „Fürbitte für die gesamte Kirche Jesu,
für die Gemeine ..., für alle Brüdergemeinen und
derselben Gruppen, für einzelne Seelen, für die Pilger
und Boten des Herrn, für das Land, darin man wohnt, für
die Obrigkeit und Lehrer, für die gesamte Christenheit und
für das ganze menschliche Geschlecht“. Das Gebet war
also schon in den Anfängen konkret und spezifisch. Man informierte
sich gegenseitig über die verschiedenen Gebetsanliegen, betete
aber auch für fernere Brüder und Schwestern in anderen
Völkern, von denen man nichts Genaues über ihre aktuellen
Sorgen und Freuden wusste.
Zu
jeder Zeit und an jedem Ort beten
Auch wenn es eine lange Geschichte des 24-Stunden-Gebets in der
Brüder-Unität gibt, so heißt das nicht, dass diese
Gebetsform für uns die einzige oder wichtigste wäre.
Eine wesentliche Erkenntnis unseres Gründervaters Zinzendorf
war die, dass das Gebet in den Alltag gehört. Beten, mit Gott
reden, kann man zu jeder Zeit und an jedem Ort. Man braucht dazu
keine besonderen Räume oder Orte. Zinzendorf wollte das ganze
Leben in dem Sinne „liturgisch“ gestalten, dass es
im Bewusstsein der Gegenwart Gottes erfolgt.
Heute kommt eine wachsende
Anzahl von Besucherinnen und Besuchern nach Herrnhut, um hier zu
beten. Wenn damit die Vorstellung verbunden
wird, dass es besondere Orte bedarf, um zu Gott zu beten, dann
ist uns das fremd. Auch der Altan auf dem Hutberg ist kein „Gebetsturm“,
sondern ein Aussichtsturm. Wir sind davon überzeugt, dass
sich Gott von jedem Gebet ansprechen lässt, unabhängig
davon, wo und wann dieses geschieht, wie lange es dauert und welche
Form es hat.
Das 24-Stunden-Gebet garantiert nicht eine größere
Segensfülle von Gott. Aber es kann uns – wie auch andere
Gebetsformen – helfen, in einer lebendigen Beziehung mit
dem großen Schöpfer- und Erlösergott zu stehen,
ihm unsre Anliegen zu sagen und auf sein Reden zu hören.
Theile / Tasche – 2003 |